Interview mit Johannes Flamm
Absolvent der Business School Alb-Schwarzwald, über seinen beruflichen Werdegang und sein Studium  

Herr Flamm, Sie haben einen interessanten beruflichen Werdegang hingelegt, vom Zimmermann zum Mitglied des Führungskreises eines mittelständischen Unternehmens.
Ja, ich habe den Hauptschulabschluss gemacht und dann eher aus Mangel an besseren Ideen die Ausbildung zum Zimmermann absolviert. Diese Ausbildung hat gut zu meinen sonstigen Interessen gepasst, z. B. dem Klettern, aber ich habe schon während der Lehre gemerkt, dass dieser Beruf für mich nicht „der Weisheit letzter Schluss“ ist. So kam ich als Lagerarbeiter in ein mittelständisches Industrieunternehmen. Dort wurde ich schon früh an Projekten beteiligt, wie Montageplanung und Prozessoptimierungen. Schließlich hatte ich das Glück eine Kaizen-Einführung mitmachen zu können, was in mir die Liebe zur Logistik und Prozessen geweckt hat. So habe ich trotz meiner vielen Freizeitinteressen gemerkt, dass ich im Beruf nicht so viel Wohlbefinden habe, wie ich möchte und dass es mir an Wissen fehlt. Mit mehr als sechs Jahren logistischer Berufserfahrung konnte ich dann die Ausbildung zum Industriemeister Lagerwirtschaft an der IHK Reutlingen absolvieren. Und da ist bei mir der Knoten geplatzt; ich habe gemerkt, dass ich lernen kann und habe alles aufgesaugt, auch andere Themen als nur die beruflichen. Es war spannend zu sehen, dass es auf der Welt so viel gibt, wovon ich noch keine Ahnung hatte. Da ich in meiner Firma keine weiteren Entwicklungschancen hatte, kam es nach über 10 Jahren zu einem Wechsel. Das Angebot, in einem mittelständischen Handelsunternehmen die Lagerreorganisation und die Einführung einer Lagersoftware zu übernehmen, habe ich gerne angenommen. So was kommt für einen Lagerlogistiker „once in a lifetime“ und war ein Glücksgriff für mich. Innerhalb eines Jahres habe ich mit einem 12-Mann-Team das gesamte Lager umgebaut und komplett reorganisier t. Dabei hatte ich großen Gestaltungsspielraum und konnte das Projekt sehr erfolgreich abschließen. In dieser Situation kam über XING das Angebot der Business School, am neuen Standort in Balingen ein Bachelor-Studium für Business Administration zu absolvieren. Obwohl ich in meinem Beruf rasant weitere Aufgaben übernommen hatte und inzwischen für 80, später für 130 Mitarbeiter zuständig war, habe ich mich zum Studium entschlossen. Mein Arbeitgeber hat mich machen lassen und auch unterstützt, z. B. indem ich die anstehenden Projekte des Unternehmens als Themen für die Studienarbeit und die Thesis einbringen konnte. Kurz vor Studienende wurde ich Logistikleiter mit Personalverantwortung für rund 300 Mitarbeiter. Zum Abschluss meines Studiums gab die Geschäftsleitung dann eine richtig schöne Feier mit den Mitarbeitern und setzte so einen Meilenstein und läutete den nächsten beruflichen Schritt für mich ein.

Sie haben sich entschieden, ein Studium berufsbegleitend zu absolvieren, was eine große Herausforderung ist und ich bewundere alle, die das hinbekommen.
Was hat Sie veranlasst, dieses Studium zu beginnen? Welche Eingangsvoraussetzungen haben Sie mitgebracht? Ich hatte einen großen Wissenshunger und mir war klar, dass ich neben dem fachspezifischen Wissen als Logistiker, das ich mir in der Meisterausbildung und meiner neuen Tätigkeit erworben hatte, noch ein breites betriebswirtschaftliches Wissen aufbauen wollte, um ein größeres Fundament zu haben und dann in eine entsprechende Position zu kommen. Diese Überlegungen sind aufgegangen! Speziell das Studium an einem Institut der Steinbeis-Hochschule richtet sich ja nicht nur an Abiturienten, sondern an Führungskräfte und Selbstständige, die Themen aus ihren Firmen mitbringen. Und so profitieren die Studenten auch voneinander. Zu Beginn meines Studiums war ich 34 Jahre alt. Heute bin ich jugendliche 40.

Wieviel Unterstützung gab es auf Seiten Ihres Arbeitgebers? Welche Unterstützung gab es aus dem privaten Umfeld welche von Seiten der Business School?
Es war eine große Unterstützung, dass ich schon vor dem Studium einen Projekttitel hatte. An einem so großartigen und interessanten Projekt zu arbeiten und seitens meines Arbeitgebers freie Hand zu haben, hat den gewünschten Synergieeffekt zwischen Projekt und Studium voll zum Tragen kommen lassen. Ich konnte Kollegen zu bestimmten Themen interviewen und ich hatte die Möglichkeit zur freien Zeiteinteilung. Später konnte ich dann auch viele Ressourcen der Firma nutzen. Die Themen, die ich im Studium erarbeitet habe, sind voll in die Arbeit eingeflossen und dadurch gründlicher bearbeitet worden als man das sonst hätte machen können. In der Zeit des Studiums sind meine privaten Kontakte sehr reduziert gewesen, aber meine Lebenspartnerin hat den Kontakt zu Familie und Freunden aufrechterhalten, das war schon sehr hilfreich. Ich weiß nicht, wie es ohne sie gewesen wäre. Von Villings habe ich viel Unterstützung bekommen, weil man immer schnell Antworten bekam. Herr Villing konnte einem manchmal mit 5 Sätzen das zu eng gewordene Sichtfeld wieder öffnen. Die ganz wesentliche Unterstützung aber ist der Netzwerkgedanke, der von Villings konsequent verfolgt wird. In den TDR-Besprechungen, den Repetitorien und auch auf den Studienfahrten lernt man Verknüpfungen zu erstellen, die einem helfen, Lösungsansätze für unterschiedliche Situationen zu finden, wie man auch lernt, Probleme gründlich zu analysieren und zu zerlegen, um dann Lösungsschritte daraus aufzubauen. So habe ich viel von den anderen Studenten gelernt. Es hilft einem einfach sehr, wenn man sieht, wie andere ein Problem ganz anders angehen als man selbst. Der Transfergedanke, d. h. von der Theorie zur Praxis, wird trainiert und ist ein wesentliches Merkmal des Studiums. In den Vorlesungen und Seminaren der hochkarätigen Dozenten habe ich verstanden, dass praktische Schwierigkeiten im Unternehmen mit Theorie verstanden und gelöst werden können.

Was haben Sie aus dem Studium an der Business School mitgenommen?
Welche Auswirkungen hatte das Bachelor- Studium auf Ihre berufliche Weiterentwicklung? Meine Beförderungen hängen zu einem wesentlichen Teil am Studium! Das Wichtigste, was ich im Studium gelernt habe, war vor allem Selbstreflektion und die Bereitschaft, mich und meine Sichtweise zu hinterfragen. Das hilft mir sehr in der Mitarbeiterführung. Bei zwischenmenschlichen Problemen kann ich auf die Metaebene gehen und fragen, was für einen Konsens nötig wäre. Mir ist es z. B. wichtig, dass mir meine Mitarbeiter laufend Feedback geben und einfordern, welche Form der Unterstützung sie brauchen und wo ich Leine lassen soll. Ich habe mich in den Bereich Mitarbeiterführung erst einarbeiten müssen nach der Methode „learning by doing“, weil ich zunächst vor allem fachliches Wissen mitgebracht habe. Die Theorie, die ich im Studium gelernt habe, trägt zu meiner Souveränität und zum Ansehen im Unternehmen bei. Mittlerweile habe ich weitere Karriereschritte in Angriff nehmen können. Zudem bin ich verantwortlich für die gesamte logistische Konzeptionierung des gerade entstehenden Neubaus an unserem Hauptstandort. Hier konsolidiere ich insgesamt 11 Standorte in ein Gesamtkonzept und muss so unterschiedlichste Planungsparameter koordinieren und auf über 50.000m² und einer Höhe von 16 Metern in unseren Neubau unterbringen. Der Lern- und Spaßfaktor ist dabei sehr hoch. Last but not least bin ich nun Mitglied des Führungskreises, eines fünfköpfigen Gremiums, das im Unternehmen die Auf gaben einer operativen Geschäftsführung übernimmt. Auch hier sind meine Aufgaben naturgemäß breit gefächert und überaus spannend. Die Führung eines mittelständischen Großhandelsunternehmens mit ca. 500 Mitarbeitern und rund 70.000 lagernden Artikeln, das sich unter anderem durch seine logistische Strategie maßgeblich von den Wettbewerbern unterscheidet, ist für mich natürlich ein Highlight. Es ist toll, in einem Unternehmen etwas bewirken zu können, das innovativ am Markt agiert, konstant wächst und dem seine Mitarbeiter als relevanter Erfolgsfaktor am Herzen liegen. Solche Kombinationen findet man nur im Mittelstand. Alle diese Karriereschritte basieren zu großen Teilen auf den Erfahrungen und dem Wissen, das ich mir während des Studiums an der Business School angeeignet habe.

Sie haben einmal in einem Gespräch erwähnt, dass Sie sich während des Studiums verändert haben. Können Sie beschreiben, welche Veränderungen das waren?
Das ist sicherlich, dass ich auf die Metaebene gehen kann und die Fähigkeit zur Selbstreflektion erworben habe. Ich bin insgesamt souveräner und gefestigter geworden, aus dem Wissen heraus, dass ich auf einen vollen Werkzeugkoffer mit breit gefächerten Methoden zurückgreifen kann. Rückblickend würde ich das Studium sofort wieder machen – selbst wenn es mich beruflich nicht weiter gebracht hätte – einfach weil es mir persönlich so viel gebracht hat, und zwar speziell bei Villings, denn die sind auch in der Welt der Hochschulen nochmal etwas ganz Besonderes.

Herr Flamm, ich danke Ihnen recht herzlich für das Gespräch.

Das Interview führte Beate Ott, Dipl. Psych., Dipl. Ing. (FH), Expertenrat der Business School